Muster-Arztbrief Innere Medizin: Leberzirrhose (mit PDF-Download)

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  • Beitrag zuletzt geändert am:26. November 2025
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Dieser Muster-Arztbrief über einen Patienten mit Leberzirrhose und stationärer Therapie ist ein fiktives Beispiel. Der Brief kann als Vorlage dienen, muss dann aber detailliert angepasst werden. Eine Word- und PDF-Datei sind verfügbar.

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Muster-Arztbrief Innere Medizin (Leberzirrhose)

Klinikum-Großstadt, Hospitalstr. 1, Innere Medizin I, 01234 Großstadt

Frau
Dr. med. F. Musterfrau
Fachärztin für Allgemeinmedizin
Marktplatz 10
12345 Musterstadt

Endgültiger Entlassbrief

Herr A. K., geb. 01.07.1952
Am Teich 3, 12345 Musterdorf
Stationäre Behandlung vom 05.11.–11.11.2025

Sehr geehrte Frau Kollegin Musterfrau,

wir berichten Ihnen über die stationäre Behandlung der oben genannten Patientin in unserer Klinik.

Diagnosen

  1. Alkoholtoxische Leberzirrhose Child-Pugh B (7 Punkte) ED mm/20yy
    a. Ausschluss infektiöser, autoimmuner und metabolischer Ursachen mm/20yy
    b. Ösophagusvarizen Paquet Grad II
    c. Mittelgradiger Aszites, therapierbar
    d. Hepatische Enzephalopathie West Haven Grad I
  2. Schädlicher Alkoholkonsum

ICD-10: K70.3; I85.10; R18.0; K72.90. OPS: 1-631.0; 1-432.0; 8-837.0.

Anamnese

Zuweisung aus Ihrer Hausarztpraxis. Der Patient berichtet, er habe seit einigen Wochen eine zunehmende Abgeschlagenheit und eine rasche Erschöpfbarkeit bemerkt. Außerdem sei sein Bauchumfang etwas größer geworden, was er zunächst auf eine Gewichtszunahme zurückgeführt habe. Er esse allerdings nicht anders und auch nicht mehr als früher, eher weniger.

Alkohol trinke er regelmäßig, seit vielen Jahren täglich mehrere Gläser Bier und gelegentlich hochprozentige Getränke. Schmerzen habe er keine verspürt, gelegentlich jedoch ein Druckgefühl im Oberbauch. Auch Konzentrationsschwierigkeiten seien ihm seit einigen Wochen vermehrt aufgefallen, eigentlich aber in schwächerer Form schon seit Jahren.

Er habe früher geraucht, aus Kostengründen habe er vor acht Jahren aufgehört und auch nicht wieder angefangen.

Letzte häusliche Medikation: Ibuprofen bei Bedarf.

Körperliche Untersuchung

73-jähriger Patient in leicht reduziertem Allgemeinzustand und normalem Ernährungszustand (71 kg, 178 cm, BMI 22,4 kg/m²). Wach, orientiert zur Person, Zeit und Situation. Atemfrequenz 12/min, Blutdruck 105/75 mmHg, Sauerstoffsättigung 96 % unter Raumluft.

Herztöne rein, regelmäßig, kein Herzgeräusch. Vesikuläres Atemgeräusch beidseits ohne Nebengeräusche, sonorer seitengleicher Klopfschall. Abdomen weich, reduzierte Behaarung, angedeutete Venenzeichnung periumbilikal, ausladende Flanken mit gedämpftem Klopfschall, kein Druckschmerz, Darmgeräusche sehr leise, Undulationszeichen positiv, Leber und Milz nicht vergrößert tastbar. Haut leicht ikterisch. Keine Asterixis. Extremitäten: Keine Ödeme. Fußpulse seitengleich normal tastbar. Gang und Stand sicher.

Befunde

EKG vom 05.11.2025

Sinusrhythmus, Linkslagetyp, 75/Min., normale Zeiten, keine Rückbildungsstörungen.

Sonographie-Abdomen vom 06.11.2025

Leberzirrhose, Pfortader offen, Fluss verlangsamt. Gering bis mittelgradig ausgeprägter Aszites. Geringe Splenomegalie.

Sonographisch gesteuerte Aszitespunktion vom 06.11.2025

Problemlose, ultraschallgeführte diagnostische und therapeutische Aszitespunktion im linken Unterbauch (Punktatstatus: s. Labortabelle). Ablassen von 1,2 Liter klarem Aszites.

Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) vom 07.11.2025

Ösophagusvarizen Paquet Grad II ohne red spots. V.a. portal-hypertensive Gastropathie.

Mikrobiologische Befunde

  • Blutkulturen (zwei Paar) vom 05.11.2025: kein Wachstum.
  • Asziteskultur vom 06.11.2025: kein Wachstum

Labor:

siehe Anhang

Therapie und Verlauf

Ursache der Beschwerden ist eine dekompensierte Leberzirrhose mit Aszites und hepatischer Enzephalopathie West Haven Grad I (Müdigkeit, Konzentrationsstörungen). Unseres Wissens nach handelt es sich um die Erstdiagnose der Leberzirrhose.

Aufgrund der Alkoholanamnese gehen wir von einer ethyltoxischen Leberzirrhose aus. Andere Ursachen wurden laborchemisch bzw. sonographisch weitgehend ausgeschlossen (Virushepatitis, AIH, PBC, PSC, Budd-Chiari-Syndrom, Pfortaderthrombose, Eisen- und Kupferspeicherkrankheit, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel).

Eine diagnostische Leberpunktion ist zu diesem Zeitpunkt nicht erforderlich.

Zur Rekompensation wurde eine therapeutische Aszitespunktion durchgeführt (dabei erfolgte der Ausschluss einer spontan-bakteriellen Peritonitis). Zudem Beginn mit Diuretika zur Aszitestherapie sowie Carvedilol zur Primärprophylaxe einer Ösophagusvarizenblutung. Die Enzephalopathie wurde mit Lactulose behandelt. Vitamin B1 p.o. wurde begonnen.

Gewicht und Allgemeinzustand sowie Bilirubin und Quick besserten sich unter der Therapie. Herr K. wurde von uns ausführlich über die Erkrankung und die Gefahren einer Dekompensation sowie einer Varizenblutung aufgeklärt. Die Wichtigkeit der Alkoholkarenz haben wir betont. Er hat die Telefonnummer der Terminvergabe unserer Suchtklinik erhalten.

Prozedere

  • Alkoholkarenz: dringend empfohlen, psychosoziale Unterstützung und Suchtberatung empfohlen (Telefonnummern ausgehändigt)
  • Hinzunahme von Rifaximin zusätzlich zu Lactulose im Fall eines Rezidivs der hepatischen Enzephalopathie
  • Diuretische Therapie (Spironolacton, Torasemid) fortführen und ggf. anpassen
  • Endoskopische Kontrolle: ÖGD in zwei Jahren zur Varizenkontrolle
  • Sonographie-Abdomen zum HCC-Screening alle 6 Monate (Sonographie + AFP)
  • Gewichtskontrolle täglich durch den Patienten zur Überwachung des Aszites (Entlassgewicht 68,5 kg)
  • Ernährung: eiweißreiche, hochkalorische Ernährung
  • Vorstellung in einem Transplantationszentrum, falls Fortschreiten der Erkrankung

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. A. Muster                           
Chefarzt

Dr. med. G. Skopie
Oberarzt

Dr. med. S. Schnitt
Assistenzärztin

Empfohlene Medikation

WirkstoffHandelsnameEinnahmeBemerkung
Lactulose 10 gBifiteral®1-1-1Titration zu 2–3 weichen Stuhlgängen/Tag
Thiamin (Vitamin B1) 100 mgBenerva®1-0-0Substitution bei chronischem Alkoholkonsum
Carvedilol 6,25 mgDilatrend®1-0-1Varizenprophylaxe, Dosis anpassen nach RR/HF
Torasemid 10 mgTorem®1-0-0Aszites
Spironolacton 50 mgAldactone®1-0-0Aszites
Pantoprazol 40 mgPantozol®1-0-0Ulkusprophylaxe, da NSAR-Gebrauch
(Die aufgeführten Präparate beruhen evtl. auf hausinternen Arzneimittel-Listen und können durch wirkstoffgleiche Präparate ersetzt werden.)

Laborwerte

MessgrößeReferenzbereich05.11.2506.11.2508.11.25
Leukozyten (/nl)4,0 – 10,06,86,5
Hb (g/dl)12,0 – 16,011,211,4
Hämatokrit (%)37 – 473435
Thrombozyten (/nl)150 – 4009295
INR0,9 – 1,21,51,4
Quick (%)70 – 1205560
Bilirubin ges. (mg/dl)< 1,23,22,8
Albumin (g/l)35 – 522829
GOT/AST (U/l)< 357872
GPT/ALT (U/l)< 454441
GGT (U/l)< 40265240
AP (U/l)40 – 130158150
Ammoniak (µmol/l)< 507865
Natrium (mmol/l)135 – 145131134
Kalium (mmol/l)3,5 – 5,04,64,4
Kreatinin (mg/dl)0,6 – 1,211
CRP (mg/l)< 58,26
Glukose (mg/dl)70 – 1109295
ANAneg.neg.
AMAneg.neg.
LKM-AKneg.neg.
Alpha-1-Antitrypsin (mg/dl)90 – 200145
Ferritin (ng/ml)30 – 400180
Coeruloplasmin (mg/dl)20 – 6032
Transferrinsättigung (%)20 – 4532
IgG (g/l)7 – 1611,5
HBs-Agneg.neg.
Anti-HBc-AKneg.neg.
Anti-HBs-AK (IU/l)> 100150
Anti-HCV-AKneg.neg.
Punktatstatus
Gesamtprotein (g/dl)< 2,51,2
Albumin (g/dl)< 1,00,6
Serum-Asz.-Alb.-Gradient (g/dl)> 1,11,6
Zellzahl gesamt (/µl)< 500180
Neutrophile (/µl)< 25085
Erythrozyten (/µl)< 10.000500
pH7,5 – 8,07,7
Laktat (mmol/l)< 3,01,2
Glukose (mg/dl)mg/dl111
LDH (U/l)< 225140
Achtung
Dies ist kein echter Arztbrief. Es handelt sich um einen Muster-Arztbrief für Lernzwecke. Namen, Daten, Orte und Ereignisse sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit echten Personen oder Ereignissen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Die dargestellten medizinischen Informationen wurden so gewählt, dass sie plausibel erscheinen – eine Gewähr für ihre Richtigkeit wird aber nicht übernommen. Sie wollen mehr lernen? In diesem Artikel lernen Sie, wie man einen guten Arztbrief schreibt.

Achim Jatkowski

Jahrgang 1984. Ist Internist und Gastroenterologe. Arbeitet als angestellter Oberarzt.

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